|

Die Bibliothek des
Vereins der Heimatfreunde Stadt Kerpen e.V.
Susanne Harke-Schmidt
Nach der
Satzung des 1963 gegründeten Vereins der Heimatfreunde Stadt
Kerpen e.V.[i]
besteht der
Zweck des Vereins in der Heimatpflege und in der Erforschung der
Geschichte in der Stadt Kerpen. Dabei
strebten die Gründer einen Verein
an, der sich zwar überwiegend, aber nicht ausschließlich mit der
Geschichtsforschung des heimatlichen Raums befassen sollte.
Die Schwerpunkte der vielfältigen Arbeit des Vereins sind
Geschichtsforschung, Natur- und Landschaftsschutz, Brauchtums-
und Heimatpflege sowie Denkmalschutz. Auch die Publikation der
Forschungsergebnisse unter anderem durch die Herausgabe einer
regelmäßig erscheinenden Zeitschrift[ii]
gehört zu den satzungsgemäßen Zielen. Die Gründung des Vereins
geht vor allem auf die Initiative des 1973 verstorbenen Kerpener
Schulleiters und Heimatforschers Hans Höhner zurück. Als
Vorsitzender des Vereins setzte er sich nicht nur für die
Gründung des Stadtarchivs ein, sondern wurde 1970 auch der erste
ehrenamtliche Archivleiter.
Während der „Aufbau einer heimatkundlichen Sammlung“[iii]
erklärtes Ziel des Vereins ist, wird eine wissenschaftliche
Bibliothek nicht explizit erwähnt. Angesichts der
satzungsgemäßen Kernaufgaben wird jedoch schnell klar, dass eine
gut sortierte Bibliothek unentbehrliche Voraussetzung für die
Erfüllung der Ziele ist. Es lag nahe, eine solche Bibliothek dem
zu jener Zeit ehrenamtlich geleiteten Stadtarchiv anzugliedern,
da auch für dessen Arbeit eine Bibliothek zum obligatorischen
Handwerkszeug gehört. Da diese Notwendigkeit seinerzeit aber von
einem hohen Verwaltungsbeamten der Stadt Kerpen bestritten
wurde, legte der Verein eine vereinseigene Bibliothek an.[iv]
Nach der Besetzung des Stadtarchivs durch eine Diplomarchivarin
begann auch hier der Aufbau einer wissenschaftlichen Bibliothek.
Bei der Anschaffung insbesondere von teuren Standardwerken
findet seitdem eine Absprache zwischen Heimatverein und
Stadtarchiv statt. Der Verein steht mit zahlreichen
Geschichtsvereinen im Schriftentausch, was die Erweiterung der
Bestände möglichst kostenneutral gestaltet. Manchmal erhält der
Verein zum Beispiel aus Nachlässen Bücher geschenkt, die oftmals
deswegen sehr wertvoll sind, weil sie weder im Buchhandel noch
antiquarisch zu erwerben sind. So konnte die Bibliothek erst
kürzlich durch eine solche Schenkung um ein Werk erweitert
werden, das als das Standardwerk der lokalen Geschichtsforschung
gilt: eine Originalausgabe der 1833 erschienenen „Beiträge zur
vaterländischen Geschichte des Landkreises Bergheim“, bearbeitet
vom damaligen Kerpener Friedensrichter Johann Peter Dethier. Die
Veröffentlichung ist unersetzlich, weil Dethier viele
archivalische Quellen ediert hat, die heute im Original nicht
mehr überliefert sind.[v]
Heute stehen
die Bücher beider Bibliotheken potentiellen Benutzerinnen und
Benutzern im Lesesaal des Stadtarchivs zur Verfügung. Es handelt
sich grundsätzlich um Präsenzbestände, eine Ausleihe findet nur
im Ausnahmefall statt. Die Systematiken beider Bibliotheken sind
aufeinander abgestimmt, so dass eine erste Orientierung auch
aufgrund der mnemotechnischen (G = Geschichte,
A = Archivkunde, F = Festschriften)
Signaturvergabe leicht fällt.
Seit etwa 30 Jahren kümmert sich Martin Schütz, zwischen 1973
und 1979 Vorsitzender und seitdem Schriftführer des Vereins,
dankenswerterweise mit sehr großem Engagement um die
Erweiterung, die Erfassung und Katalogisierung sowie die
Signierung der neu angeschafften Literatur. Nur so ist eine
sinnvolle Benutzung der Bibliothek, die mittlerweile knapp 2.000
Einzeltitel umfasst, möglich.
Die Systematik der Vereinsbibliothek ist folgendermaßen
aufgebaut:
|
A |
Archiv-, Bibliotheks- und
Museumskunde |
|
BG |
Biographien |
|
BI |
Biologie |
|
F |
Festschriften |
|
GA |
Allgemeine Geschichte |
|
GD |
Deutsche Geschichte |
|
GR |
Rheinische Geschichte |
|
GK |
Geschichte von Kerpen und
des Rhein-Erft-Kreises |
|
HB |
Heimatbücher |
|
HD |
Heimatdichtung |
|
HK |
Heimatkalender, Jahrbücher |
|
HR |
Geschichtsromane,
Dichtungen |
|
HW |
Hilfswissenschaften
(Genealogie, Diplomatik, Paläographie, Sphragistik,
Heraldik, Numismatik, Geographie) |
|
N |
Nachschlagewerke |
|
Z |
Zeitschriften |
Schwerpunkte bilden dabei die
Sachgebiete GK, GR, F, HB, HK und Z, die Werke zur Kerpener und
zur rheinischen Geschichte, Festschriften, Heimat- und
Jahrbücher sowie Zeitschriften enthalten. Hier finden die
Leserinnen und Leser fast 1.500 Bände.
Zu den am häufigsten benutzten Büchern gehören die Periodika
sowohl der großen rheinischen als auch der benachbarten
Geschichtsvereine, deren Erscheinungsjahre bis ins 19.
Jahrhundert zurückreichen. Die Annalen des Historischen Vereins
für den Niederrhein setzen zum Beispiel 1874 ein, sind aber
nicht ganz lückenlos überliefert. Die ältesten Jahrgänge der
Rheinischen und der Bonner Geschichtsblätter stammen aus dem
Jahr 1956 bzw. 1957. Wer sich für Archäologie interessiert, für
den sind die seit 1963 vorhandenen Bonner Jahrbücher
unverzichtbar. Gleiches gilt für alle, die sich mit
Denkmalpflege auseinandersetzen: hier geben die Arbeitshefte des
Landeskonservators – Heft 1 über Arbeitersiedlungen erschien
1971 - sowie die Jahrbücher der Denkmalpflege, die seit 1956
vorhanden sind, den Leserinnen und Lesern Auskunft.
Selbstverständlich findet man neben den Pulheimer Beiträgen zur
Geschichte (1977 ff.) auch die Hürther Heimat (seit 1964), die
Jahrbücher der Städte Erftstadt (1991 ff.) und des Bergheimer
Geschichtsvereins (1992 ff.) oder die Dürener Geschichtsblätter
(1972 ff.). In allen genannten Publikationsreihen sind
Forschungsergebnisse veröffentlicht, die hier in Kerpen bei
historischen Untersuchungen hinzuzuziehen sind.
Im Sachgebiet „F“ werden die Festschriften gesammelt, die die
Kerpener Vereine zu ihren Jubiläen herausgeben. Zu den ältesten
gehören die Festschrift zum 50jährigen Bestehen des
Männergesangvereins Blatzheim von 1925 und die 1931 erschienene
Festschrift zum 425jährigen Bestehen der St.
Sebastianus-Schützenbruderschaft Kerpen. Erst seit 1949 sind
kontinuierlich Festschriften vorhanden. Die Überlieferung dieser
sogenannten „Grauen Literatur“, die weder offiziell verlegt wird
noch im Buchhandel erhältlich ist, ist besonders wichtig, da sie
vielfach Beiträge zur Geschichte der einzelnen Vereine enthält.
Die in den Festschriften überlieferten Festprogramme
dokumentieren den Brauchtumswandel der Vereine. Auch die in
ihnen veröffentlichte Werbung, die bei aktuellen Heften oft als
lästig empfunden wird, wird bei älteren Heften zur historischen
Quelle.
Dass das Sachgebiet GK, also die Geschichte Kerpens und des
Rhein-Erft-Kreises, in besonderem Maße frequentiert wird,
verwundert nicht. Man kann davon ausgehen, dass eigentlich
alles, was über Kerpen und seine seit 1975 dazu gehörenden
Stadtteile je erschienen ist, hier vorhanden ist. Dieses
Sachgebiet umfasst allein etwa 300 Einzeltitel. An dieser Stelle
einzelne Titel zu nennen, erscheint wenig sinnvoll. Die Bücher
sind benutzerfreundlich erschlossen, so dass sich Recherchen
nach bestimmten Titeln oder Einzelaufsätzen problemlos
gestalten.
Die Bibliothek des Vereins der Heimatfreunde ist zu den
Öffnungszeiten des Hauses für Kunst und Geschichte, also
dienstags und mittwochs von 09.00 bis 12.00 und donnerstags von
14.00 bis 18.00 Uhr benutzbar, außerdem auch nach telefonischer
(02237/922170) Vereinbarung. Sie steht allen Besucherinnen und
Besuchern des Hauses für Kunst und Geschichte für ihre
Forschungen zur Verfügung: Schülerinnen und Schülern,
Studentinnen und Studenten, Geschichts-, Heimat- und
Familienforschern sowie allen anderen, die sich für die hier
überlieferten Bücher interessieren.

[i]
Der Verein wurde 1963 gegründet, die Satzung in der Erstfassung
wurde auf der ersten Hauptversammlung am 04.09.1963 genehmigt.
Offizieller Name des Vereins war „Verein der Heimatfreunde von
Kerpen, Blatzheim und Mödrath e.V.“ Nach der Neugliederung des
Stadtgebietes durch das Köln-Gesetz von 1975 erweiterte der
Verein seinen Sprengel auf das neue Stadtgebiet und änderte
seinen Namen in „Verein der Heimatfreunde Stadt Kerpen e.V.“
Vgl. auch: Martin Schütz: 30 Jahre „Heimatfreunde Stadt Kerpen
e.V.“. Bemerkungen zu einem Jubiläum. In: Kerpener
Heimatblätter, Band 6, 3/1994,S. 326 ff.
[ii] Seit
1963 erscheinen die „Heimatblätter“ des Vereins dreimal jährlich
in ununterbrochener Reihenfolge. Die Mitglieder erhalten die
Zeitschrift kostenlos. Die „Heimatblätter“ sind weit über die
Grenzen der Stadt Kerpen bekannt und finden sich in vielen
wissenschaftlichen Bibliotheken des Rheinlandes sowie des
historisch verbundenen Auslands. Die Schriftleitung der
Heimatblätter hatte zunächst Hans Höhner inne, nach seinem Tod
im Jahr 1973 übernahm diese Aufgabe Fritz Hemmersbach. Vgl.
auch: Klaus Pabst: Dreißig Jahre Kerpener Heimatblätter. In:
Kerpener Heimatblätter, Band 6, 3/1994, S. 332ff. Außer den
Heimatblättern gibt der Verein die unregelmäßig erscheinende
Reihe der „Beiträge zur Kerpener Geschichte und Heimatkunde“
heraus. Zwischen 1963 und 2002 erschienen 7 Bände.
[iii]
Der Verein hat seinen Sitz seit 1996 seinen Sitz im Haus für
Kunst und Geschichte, Stiftsstraße 8, 50171 Kerpen. Dort ist
auch die „Stadtgeschichtliche Sammlung“ untergebracht. Neben
archäologischen Funden aus dem Stadtgebiet von der Steinzeit bis
in die frühe Neuzeit befinden sich historische Grafiken und
Ansichtskarten sowie Arbeiten der Kerpener Künstler Ferdinand
Müller und Peter Hecker in der Sammlung.
[iv]
Dabei
wird in Absatz 10 der Vereinssatzung geregelt, dass das
Vereinsvermögen nach dessen Auflösung an die Stadt Kerpen fällt.
[v]
An dieser Stelle gilt Frau Maria Göbel aus Kerpen herzlicher
Dank für die Schenkung. |
|